Promotion erscheint voraussichtlich 2018

Die Doktorabeit erscheint unter dem Titel:

“Straßenverkehr und soziale Sichtbarkeit. Das Massenmedium Straße in Chicago 1900-1930“
in der Reihe: Beiträge zur Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung, (Franz Steiner Verlag Stuttgart, im Erscheinen, vorrausichtlich 2018)


Promotion: Die Geschichte der Straße als Massenmedium, Chicago 1870-1930

Das Dissertationsprojekt demonstriert, inwiefern die Straße in den Metropolen Chicago 1870-1930 als Massenmedium aufgefasst werden kann. Als Mediengeschichte der Straße befasst sie sich konkret mit den Praktiken und Bedingungen des „Straßen-Bilder-Verkehrs“, im Sinne der Erzeugung von Erscheinungsbildern (Straßen-Bildern) auf und mit Hilfe konkreter Straßen wie z. B. der Michigan Avenue.


Im ersten Kapitel wird an Hand von nebeneinandergestellten Fotographien und damit kombinierten Selbstzeugnissen (Briefe, Tagebucheintragungen, Erinnerungen) sowie literarischen Darstellungen der Produktion von Alltäglichkeit sowie von Ereignissen und damit letztlich sozialer Realität auf der Straße nachgegangen. Anschließend werden im Zweiten Kapitel mit Hilfe zeitgenössischer Experten des Straßenwissens, wie z. B. der Sozialreformerin Jane Addams, weitere Aspekte der Vermittlungsprozesse auf und durch die Straße beleuchtet. Im dritten Kapitel wird das Ereignis der Race riots 1919 also eine extrem (gewaltsame) Konfrontation auf der Straße zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Schichten oder Gruppen daraufhin untersucht, wie es durch die medialen Bedingungen auf der Straße erst in dieser Form denk- bzw. erzählbar und damit zugleich auch konkret ermöglicht wurde. Außerdem wird es auf seine Effekte als Katastrophe (Wendepunkt) in der politisch-atmosphärischen Entwicklung Chicagos untersucht. Gerade an diesem scheinbar so handfesten Szenario wird gerade die Vermitteltheit der konstruierten Identitäten der Beherrschten wie der Herrschenden und ihr Verhältnis zu Raum, Geschichte(n) und imagined commun(iti)es besonders deutlich herausgestellt. In einem vierten Kapitel wird an Hand des von dem Soziologen Charles S. Johnson auf Basis der Ergebnisse einer nach den Race Riots 1919 einberufenen Untersuchungskommission verfassten Berichts „The Negro in Chicago, A Study of Race Relations and a Race riot“ (Chicago 1922) sowie der Studie des Soziologen Frederic Thrashers „The Gang, A Study of 1,313 Gangs in Chicago“ (Chicago 1927) gezeigt, welche Praktiken der Straßenbegehung, -beschreibung und -kartierung (Feldstudien) im Rahmen der Begründung der eigenen Wissenschaftlichkeit zum Einsatz kamen. Gefragt wird dabei auch wie diese Praktiken der Chicagoer Soziologen zur Stärkung des eigenen disziplinären Feldes beitrugen und es zugleich auch gegenüber der Sozialreformbewegung abgrenzten.

Ein Schlusskapitel führt die verschiedenen Perspektiven zusammen und zeigt die spezifisch auf den gewählten Zeitraum bezogenen konkreten und geschichtstheoretischen Schlussfolgerungen für eine damit entworfene mediale (und urbane) Historiographie und nicht  „nur“ Mediengeschichte der Straße als Medium auf.